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Studie Homosexualität im Fernsehen

Vom 16. April bis 4. Juni 2003 fand eine Online-Befragung statt, die ausschliesslich über homosexuelle Medien publik gemacht wurde. Auf eine gesonderte Selbst-Identifizierung der sexuellen Orientierung oder Identität der Befragten wurde daher verzichtet. Von den 6.274 Befragten waren 90% männlich, 70% im Alter von 20-39 Jahre, und 65% hatten zumindest Abitur.

Neben der HTML-Version (Reiter oben) bieten wir die Studienergebnisse als pdf-Datei zum Download an. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Buch Gay Marketing von Michael Stuber.

Unzufrieden mit dem TV-Angebot

Fast neunzig Prozent der Schwulen und Lesben in Deutschland sind der Meinung, dass Homosexualität eine zu geringe Rolle im deutschen Fernsehen spielt. Besonders in Zusammenhang mit Liebe & Partnerschaft, Sozialem und in der Politik sehen die Befragten durch ihre 'Rosa Brille' Nachholbedarf.

Auffällig ist, dass nicht nur die Häufigkeit (Abb.1), sondern auch die Art und Weise (Abb.2) der Bildschirm-Präsenz von Schwulen und Lesben kritisiert wird, führt Felicitas Morhart, Projektleiterin der Studie, aus. Die mengenmäßige Repräsentanz wird vor allem von homosexuellen Frauen (89%), die Art der Darstellung vor allem von homosexuellen Männern (69%) negativ bewertet.

Integration statt Segregation

Homo-Präsenz schaffen spezielle Sendungen für oder über Schwule und Lesben, wie zum Beispiel anders Trend. Die Befragten favorisieren diesen Ansatz gegenüber einem denkbaren Gay-Sparten-Sender (s.Abb.3). Dieses Ergebnis bestätigt unsere Erkenntnisse, dass Integration vor Segregation geht, erklärt Gay Marketing-Autor Michael Stuber, der die Studie begleitete.

Der ungebrochene Wunsch von Homosexuellen nach offener Anerkennung als selbstverständlicher Teil der Normalität zeige, dass weiterhin Verbesserungen im Umgang mit Vielfalt in Deutschland erforderlich seien.

Die Studie bestätigt, dass Schwule und Lesben mit einer stärkeren TV-Präsenz vor allem eine bessere Akzeptanz in der Gesellschaft, das Brechen von Tabus und die Aufklärung des Mainstream erzielen wollen.

Stuber: Es geht also nicht um Partikular-Interessen.

Private Unterhaltung bevorzugt

Im Hinblick auf das Fernsehverhalten identifizierte die Studie einige Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Fernseh-Zuschauern.

Die befragten Schwulen und Lesben zeigten eine auffällige Affinität zu Privatsendern, wobei ProSieben, RTL und Sat.1 auf den vordersten drei Plätzen rangierten. Die Gesamtbevölkerung nutzt dagegen laut Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF, 2003) vor allem die großen öffentlich-rechtlichen Sender.

Während für alle betrachteten Zuschauergruppen Nachrichten das wichtigste Sendeformat bilden, bevorzugen Schwule und Lesben entsprechend ihrer Senderpräferenzen unterhaltende, fiktionale Genres wie Spielfilme und Serien. (s.Abb.4)

Schwule sehen anders - Lesben auch

Wie in der Gesamtbevölkerung machen sich auch bei homosexuellen Frauen und Männern geschlechtsspezifische Unterschiede bemerkbar.

Die befragten Schwulen interessieren sich vor allem für Politik sowie Forschung & Technik, während die befragten Lesben besonders bei Sozialem, Kultur sowie Liebe & Partnerschaft einschalten.

Markanter Unterschied zu Heterosexuellen: Im Gegensatz zu gegengeschlechtlichen Männern lässt der im Fernsehen gezeigte Sport Schwule eher kalt.



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